Nachhaltigkeit

Geld ist eine knappe Ressource. Der in einigen Kommunen praktizierte Ausschluss von PVC-Produkten für den öffentlichen und öffentlich geförderten Wohnungsbau verursacht erhebliche Zusatzkosten, die häufig vernachlässigt werden. Die zahlreichen Berechnungen liegen zwar auseinander, gemeinsam ist ihnen allerdings, dass sie signifikant höhere Kosten bei einem Verzicht auf PVC im Bauwesen aufweisen. Dazu ein Beispiel: In Bayern wurde 1996 das 500-Betten-Krankenhaus Agatharied bei Miesbach zunächst mit halogenfreien Kabeln geplant. Angesichts von fast 2 Mio. Euro Mehrkosten wurde das Krankenhaus mit PVC-Kabeln und einem Rauchabsaugsystem realisiert: höhere Sicherheit, zu einem Zehntel der zuvor geplanten Kosten.

1999 hob das Prognos-Institut in einer weithin anerkannten Studie über die Nachhaltigkeit von PVC-Produkten die hohe Kosteneffizienz von PVC-Kabeln hervor, die sie sowohl bei den wirtschaftlichen als auch bei den sozialen Nachhaltigkeitsindikatoren besser abschneiden ließ als Alternativprodukte. Prognos schließt in seiner Bewertung allerdings nicht das Recycling des PVC-Anteils von ausgedienten Kabeln mit ein. Dafür wurden inzwischen mehrere neuartige Technologien (rohstoffliches Recycling, Lösemittelverfahren) entwickelt und getestet, die von der unabhängigen Forschungsorganisation "PE Europe" auf ihre Ökoeffzienz untersucht und in einer 2003 veröffentlichten Studie positiv bewertet wurden.

Das renommierte Forschungsinstitut GUA (Gesellschaft für umfassende Analysen) unternahm jüngst den Versuch, die Nachhaltigkeitsparameter eines spezifischen Produktes zu erfassen und zueinander in Relation zu setzen. Untersucht wurde der gesamte Lebenszyklus von PVC-Bodenbelägen hinsichtlich der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen. Das für viele unerwartete Ergebnis: Das Verhalten des Produktes in der Nutzungsphase ist entscheidend für die Ökoeffizienz. Umwelteffekte und Abfallbehandlung spielen eine untergeordnete Rolle.

Einige dieser Erkenntnisse lassen sich auf Kabel und Leitungen durchaus "umlegen": Eine nachhaltige Produktentscheidung darf sich nicht allein an einem (vermuteten) ökologischen "Materialvorteil" orientieren. Weit bedeutender ist das Verhalten der Kabel im Lebenszyklus, die Vor- und Nachteile etwa bei der Verlegung, die Anfälligkeit für Beschädigungen, die Sicherheit.
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